Der Donnerstag vor dem Osterfest. Traditionell gedenkt die Kirche am Gründonnerstag des ersten Abendmahles, der Einsetzung des Sakramentes der Eucharistie, des einsamen Gebetes Jesu auf dem Ölberg, seiner Verhaftung, Vernehmung und Geißelung.
Der Freitag vor dem Osterfest. Der Karfreitag erinnert an die Kreuzigung, den Tod und die Beisetzung Jesu.
Das Fest der Auferstehung Christi. Beweglicher Feiertag: Ostersonntag (und der darauf folgende Montag sind Herrenfeste) nach dem ersten Frühlings-Vollmond, zwischen dem 22. März und dem 25. April.
Das christliche Osterfest hat seinen Vorläufer im jüdischen Passah, Pascha oder Pessach: An ihm wird der Auszug der Kinder Israels aus dem „ägyptischen Sklavenhaus“ gefeiert. In Ägypten sprach der Herr zu Moses und Aaron: „Dieser Monat [= Nissan] soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der erste unter den Monaten des Jahres gelten. … Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus“ (Ex 12, 2f.). Dieses Pessach-Lamm wurde bis zum 14. des Monats gehütet, dann geopfert, gebraten und von den Familienmitgliedern verspeist. In dieser Tradition lebte auch Jesus von Nazareth als er im Rahmen seiner letzten Pessach-Feier („letztes Abendmahl“) vor seinem Tod diesen Anlass nahm, um sein Fleisch und sein Blut als Opfer für die christliche Gedächtnisfeier einzusetzen.
Im jüdischen Passah sind zwei unterschiedliche Feste eins geworden: Das Hirtenfest Chag Ha-Pessach (= Feier des Pessach-Lammes) und das Bauernfest Chag Ha-Mazzot (= Feier des ungesäuerten Brotes). Das erstgenannte Fest ist das ältere, das die Juden noch als nomadische Hirten in der Wüste feierten. Sie feierten die Ankunft des Frühlings, indem sie ein Tier opferten. Schon vor dem Auszug aus Ägypten erbat Moses vom Pharao die Erlaubnis für sein Volk, um in der Wüste ein Fest zu Ehren Gottes zu feiern (vgl. Ex 5,1). Mit dem bäuerlichen Chag Ha-Mazzot begingen die Juden in Palästina ein Frühlingsfest, mit dem sie den Beginn der Getreideernte feierten. Bevor sie das Korn einfuhren, entfernten sie alle Reste von Sauerteig aus ihren Häusern. Im Verlauf der jüdischen Geschichte verbanden sich beide Frühlingsfeste mit dem Gedächtnis des Auszugs aus Ägypten (= Exodus): Chag Ha-Pessach (vgl. Ex 34,25) wurde zum Pessach-Fest mit Pessach-Lamm, weil Gott an den Häusern Israels in Ägypten vorbeiging und ihnen die zehnte Plage ersparte, die die Erstgeborenen ägyptischer Familien traf. Pessach bedeutet „vorübergehen an“. Chag Ha-Mazzot (Ex 23,15), Fest des ungesäuerten Brotes (= Brot ohne Treibmittel), wurde mit dem überstürzten Auszug der Juden aus Ägypten gleichgesetzt, weil diese nur den rohen Teig mitnehmen konnten, „ehe er durchsäuert war“ (Ex 12,34). Die Bibel gebot den Juden, Pessach sieben Tage zu feiern. Im Exil entwickelte sich der Brauch, acht Tage in der Diaspora zu feiern, um sicherzugehen, dass alle Juden zur gleichen Zeit feiern. Die christliche Festzeit, die Oktav, also – dem Begriff nach – eine Festzeit von acht Tagen, hat hier ihr Vorbild. Die Mazza, das ungesäuerte Brot aus Mehl und Wasser, das für die Pessach-Feier gebacken wurde, war Vorbild der Hostie, des eucharistischen Brotes der Christen. Eine spezielle Pessach-Andacht ist der Seder, die in der ersten Pessach-Nacht zu Hause gefeiert wird. Dabei wird die Haggada verlesen, die Geschichte des Exodus aus Ägypten – für Katholiken das Buch Exodus des Alten Testaments, für Protestanten das 2. Buch Mose. Auch dieser verlesene Bericht und seine zeitliche Einordnung vor dem Fest hat seine christliche Entsprechung: im Verlesen der Passion Christi in der Karwoche vor Ostern. In den Ostern oder in den paschen bezeichnet das Osterfest mit vier Feiertagen (österliche Tage) und einer Festwoche (= Oktav). Das Wort Ostern existiert in verschiedenen Schreibweisen: Astern, Austern (Österreich), Oistern,Oustern. Vom Hebräischen abgeleitet ist Pascha, Passah, Pessach (bonum, carnosum, communicans, domini, magnum, major, majus), Paschen, paeschen, paischen, Paschalia, Paschetag, Pâques communians (commenians), dies paschalis (pasche, paschatis. paschatos), festum paschale, Agnus paschalis. Es gibt dominica pasche (paschalis, in ressurectione, resurrectionis domini) und dies sanctus (sacratissimus, resurrectionis) sowie resurrectio domini. Der Ostermontag heißt in Schwaben Ostergutentag. Die Woche nach Ostern wird bezeichnet als Ausgehende Osterwoche, ferie paschales, hebdomada resurrectionis (sancte pasche, paschalis), Pascheweke. Vom nachfolgenden Weißen Sonntag her haben sich die Bezeichnungen Albaria, Alba paschalis (paschalis) gebildet.
Bis um die Mitte dieses Jahrhunderts war die Auffassung verbreitet, das Wort „Ostern“ leite sich von einer germanischen Frühlingsgöttin „Ostara“ ab. Inzwischen ist wissenschaftlich geklärt, dass die Ostara unbewiesen ist; sie ist durch Rückschluss entstanden, indem angenommen wurde, Ostern müsse sich auf eine solche Gestalt zurückführen lassen. Der wohl älteste literarische Beleg für das Wort „Ostern“ findet sich bei Beda Venerabilis 738 mit „Eostro“. Das Wort bedeutet Morgenröte und ist von dem Wortstamm „ausos“ abgeleitet, der im Griechischen zu „eos“, Sonne, und im Lateinischen zu „aurora“, Morgenröte, geführt hat. Im Althochdeutschen bildete sich Eostro zu „ôstarum“ und im Altenglischen zu „eastron“. Der kirchenlateinische Begriff „Pascha“ oder „Passah“ wurde seit jeher mit Ostern gleichgesetzt. Warum die Bezeichnung für die Morgenröte zum Synonym für Passah werden konnte, läßt sich an den Canones Hippolyti zeigen, wo es heißt: „Nemo igitur illa nocte dormiat usque ad auroram“ – Niemand soll in dieser Nacht schlafen, sondern wach bleiben bis zur Morgenröte. Der nächtliche Gottesdienst hat die Bezeichnung Mette erhalten, also Ostermette.
Das Fest der Auferstehung ist nicht nur das wichtigste und höchste Fest der Christen, es schließt auch das Triduum sacrum von Karfreitag, Karsamstag und Osternacht, den Gedächtnistagen von Opfertod, Grabesruhe und Auferstehung Christi. Der Osterfestkreis begann vor der Kalenderreform mit eine Vorfastenzeit, die heute nicht mehr einbezogen wird. Es rechnen dazu: die österliche Bußzeit (= Fastenzeit), die Karwoche und der eigentliche Osterfestkreis, der mit Pfingsten endet.
Sonntage nach Ostern:
1. Quasi modo geniti (Weißer Sonntag) = Erster Sonntag nach Ostern.
2. Misericordia Domini = Zweiter Sonntag nach Ostern.
3. Jubilate = Dritter Sonntag nach Ostern.
4. Cantate = Vierter Sonntag nach Ostern.
5. Vocem jocundidatis = Fünfter Sonntag nach Ostern.
6. Exaudi = Sechster Sonntag nach Ostern.
Christi Himmelfahrt:
Chrsiti Himmelfahrt ist der 40. Tag nach dem Osterfest und findet am Donnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern statt. Die „Himmelfahrt Christi“ (andere Namen für Christi Himmelfahrt sind: Ascensio domini, Auffahrtstag, Goldene None, Gots auffartstag, Gots offertag, Helgethorsdag oder hellig thorsdag (Skand.), Hemelvart, Himmelfahrt Christi (Gottes, unseres Herrn), Schöner Nontag, Schönnontag, Nona aurea, Nontag, Nuntag, Mindeste Kreuzgang, Offartstag, Offertstag, Uffartstag, Uffertstag) gehört zum Urbestand christlichen Glaubens. Der Auferstandene erscheint vierzig Tage lang nach der Auferstehung mit verklärtem Leib als der Erhöhte und beweist sich damit als der Existenzweise Gottes teilhaftig. Die Präsenz Christi zeigt ihn nicht als der Welt entrückt, sondern auf eine neue Art und Weise in ihr anwesend. Mit der Auferstehung hat Christus den Himmel als Dimension des Einsseins von Gott und Mensch überhaupt erst begründet. Als „zur Rechten Gottes sitzend“ ist er das machtvolle Haupt der Kirche, die als sein Leib zwar noch in der Welt besteht, aber schon an der Erhöhung teilhat.
Im Bewusstsein um den Zusammenhang zwischen Himmelfahrt Christi und Geistsendung haben die Christen bis weit in das 4. Jahrhundert Christi Himmelfahrt Pfingsten mitgefeiert. Wahrscheinlich erst im Nachgang zum Nicänum (325), als der Osterfeststreit beigelegt wurde, verlagerte sich das Verständnis von den vierzig Tagen: Ursprünglich theologisch als Zwischenzeit vor einem Neubeginn verstanden, wurden sie nun zu einem historischen Fixpunkt vierzig Tage nach der Auferstehung. Seit 370 kann das Fest Christi Himmelfahrt als eigenständiges Fest vierzig Tage nach Ostern nachgewiesen werden. Gefeiert wird es am Donnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern.
Pfingsten (Pfingstsonntag und Pfingstmontag):
Das Fest zur biblisch berichteten Herabkunft des Heiligen Geistes wird sieben Wochen nach Ostern (50.Tag nach Ostern!), zwischen dem 10. Mai und dem 13. Junibegangen.
Pessach oder Passah bezeichnete im Judentum den Anfang der Getreideernte, vgl. Ostern. Die erste Ernte (Gerste) wurde eingefahren und ein Teil davon am zweiten Festtag im Tempel geopfert. Die folgenden 49 Tage wurden gezählt und deshalb erhielt dieser Zeitraum den Namen Sefira (= Zählung, vgl. Lev 23,15f.). Der fünfzigste Tag war Schawuot, an dem die nächste Getreideernte (Weizen) stattfand. Nach Maimonides lag der Sinn der Tage vom Auszug in Ägypten bis zur Feier des Empfangs der Gesetze auf dem Berg Sinai darin, den Gläubigen zu zeigen, dass Befreiung aus Knechtschaft allein nicht viel bedeutet und dass Freiheit ohne Gesetz ein zweifelhafter Segen ist.
Das Wort „Pfingsten“ entstand aus dem griechischen Wort „Pentecosta“, der fünfzigste (Tag), denn das erste Pfingstfest wurde laut Apostelgeschichte am „Fest der (Weizen-) Ernte“ fünfzig Tage nach dem österlichen Paschafest gefeiert. Durch den variablen Ostertermin variiert auch Pfingsten zwischen dem 10. Mai und 13. Juni.
Pfingsten ereignete sich durch die biblisch berichtete Herabkunft des Heiligen Geistes: das Pfingstwunder. Durch Feuerzungen sichtbar kam der Heilige Geist über die Jünger und bewirkte ihr Sprechen in vielen fremden Sprachen. Auch Pfingsten, wie dieses Fest bei den Christen nun heißt, ist – im übertragenen Sinn – ein Erntefest: Christi Ernte und die Gründung der Kirche. Als die Christen den Zeitpunkt des Osterfest anders als die Juden berechneten, hielten sie an dem Fest fünfzig Tage nach Ostern fest, dem Pfingstfest, das wahrscheinlich schon in apostolischer Zeit gefeiert wurde.
Sonstige Fest- und Gedenktage im Osterfestkreis:
Heiliger Joseph – Bräutigam der Gottesmutter Maria:
Am 19.März wird des Hl. Joseph, dem Bräutigam Mariens und dem Nährvater Christi gedacht. Joseph von Nazaret, stammte aus dem Geschlecht Davids. Er lebte in Nazareth als Zimmermann. Nachdem er sich mit Maria verlobt hatte, geschah an ihr das Geheimnis der wunderbaren Empfängnis. Joseph wollte Maria wegen ihrer vermeintlichen Untreue in der Stille verlassen, doch im Traume über das Geheimnis unterrichtet, führte er Maria heim, ohne aber die eheliche Gemeinschaft mit ihr aufzunehmen. Nach der Geburt zu Bethlehem gab er dem Kind den Namen Jesus und floh nach der Darstellung im Tempel mit Maria und dem Kind nach Ägypten. Nach dem Tod des Herodes kehrte er zurück und ließ sich in Nazareth nieder. Als Jesus zwölf Jahre alt war, pilgerte Joseph mit seiner Familie zum Osterfest nach Jerusalem. Zwischen dieser Wallfahrt und dem öffentlichen Auftreten von Jesus wird Joseph gestorben sein, da er in den Evangelien nicht mehr genannt ist. Das Bild, das die Legenden von Joseph zeichnen, hat seine Darstellung in der christlichen Kunst wesentlich beeinflusst. Sicher zu Unrecht erscheint Joseph durchweg als älterer Mann, ja als hinfälliger Greis. Im Orient wird die Verehrung Josephs früher deutlich als im Westen. Ein Martyrologium von der Reichenau um 850 erwähnt ihn erstmals. Bernhard von Clairvaux, die Mystik und die Theologie des ausgehenden Mittelalters beginnen sich mit seiner Stellung in der Heiligengeschichte zu beschäftigen. Erst 1479 wurde sein Fest in das römische Brevier aufgenommen.
Verkündigung des Herrn (Früher Verkündigung Mariens!):
Das heutige Fest Verkündigung des Herrn – früher: Verkündigung der Gottesmutter, Fest Mariä Verkündigung, In Annuntiatione B.M.V.) – am 25. März ist ausgelöst vom Fest der Geburt Christi am 25. Dezember. Genau neun Monate zuvor memoriert die Kirche die Verkündigung des Engels an Maria und ihre Antwort: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“. Im 6. Jahrhundert in der Ostkirche gefeiert, wird das Fest im 7. Jahrhundert von der Westkirche übernommen.
Heute wird auch dieses Fest nicht mehr als Marien-, sondern als Herrenfest gerechnet. Der Charakter des Tages als Christusfest hält auch die evangelische Bezeichnung Tag der Ankündigung der Geburt des Herrn fest. Andere Bezeichnungen für diesen Tag: Frauentag als sie verbodescheftet wart, Frauentag der Verkündigung, Frauentag in der Fasten, Marien empfanginge in der vasten, Marien engelgruss, Merzmesse, Plogmariendach.
Passend zum Festtag wurde früher am Vortag, dem 24. März, des Verkünders und Engels Gabriel gedacht (verlegt auf 29. September). Da Christus als Sonne und aufgehendes Licht gedeutet wurde, galt Maria Verkündigung, wenn die Geburt Christi verheißen wird, als Tag der Wiedergeburt des Lichtes, was die Natur in ihrem Jahreslauf eindrucksvoll bestätigte. Noch einmal werden Frühlingsbräuche ausgeübt. Zeitweise und in bestimmten Gegenden galt der Tag als eigentlicher Frühlingsanfang. Die zum Frühjahr aus dem Süden heimkehrende Schwalbe gilt als das der heiligen Gottesmutter Maria gewidmete Tier.
Markus (Evangelist):
Am 25.April innerhalb des Osterfestkreises wird das Fest des Evangelisten Markus begangen. Markus, Evangelist, ist wahrscheinlich durch Petrus vom Judentum zum Christentum bekehrt worden. Er begleitete Barnabas und Paulus auf der ersten Missionsreise als Gehilfe, kehrte jedoch von Kleinasien nach Jerusalem zurück. Später reiste er mit Barnabas nach Zypern. Während der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom 61/63 weilte Markus auch dort. Später war er wieder in Ephesus. Auf Markus führt die altkirchliche Überlieferung einhellig das zweite Evangelium zurück. Über das spätere Leben des Markus fehlen sichere Angaben. Ob Markus die Kirche von Alexandrien gegründet und dort als Bischof den Martertod gefunden hat, ist unsicher. Die späteren Legenden berichten von seinem Wirken in Aquileja und Lorch sowie der Übertragung seiner Reliquien von Alexandrien nach Venedig und der Reichenau. – Die neuere Exegese unterscheidet zwischen dem Paulus-Begleiter Markus und dem Verfasser des Markus-Evangeliums.